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Am 6. Juni 2010 eröffnet das Deutsche Textilmuseum Krefeld in Kooperation mit dem Kuratorium Deutsche Bestattungskultur e. V. eine ungewöhnliche Ausstellung zur Trauerkleidung. Unter dem Titel „Schwermut und Schönheit” werden erstmals in diesem Umfang Trauerkleider – weitgehend für Frauen – gezeigt, die nach Vorbildern aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert für das in diesem Sommer neu gestaltete Museum of World Funeral Culture in Novosibirsk angefertigt wurden. Dass die Kostüme nach echten Vorbildern – sei es aus Sammlungen, sei es nach Gemälden oder Grafiken – lediglich nachgeschneidert sind, tut dem Glanz und der üppigen Pracht dieser Gewänder keinen Abbruch. Wertvolle Originale könnten auch nicht verantwortungsvoll auf eine so große Reise geschickt werden. Was Kleider über Trauer verraten Diese Kleider machen die Vielschichtigkeit des Themas deutlich. Während die schwarze Farbe der Kostüme die Trauer und den Schmerz des Verlustes beim Tode eines geliebten Menschen verdeutlicht, weist die Kombination von Schwarz mit Rot, Violett oder Weiß auf die so genannte Halbtrauer hin, also einen bereits verstrichenen größeren Zeitraum seit dem traurigen Ereignis, und deutet damit zugleich die sanfte Rückbesinnung auf die farbige Welt an. Dieser stillen Schwermut stehen der laute Prunk sowie die verblüffende Eleganz und Schönheit mancher Trauergewänder gegenüber, die die Trägerinnen nicht selten in geradezu unverfrorener Weise herausputzen und – beim Tode eines Gatten etwa – bereits auf die neuerliche Verfügbarkeit der schönen Witwe für den Heiratsmarkt hinzuweisen scheinen. Die vielen Facetten, die mit den Trauerkleidern verbunden sind – die eigene Schwermut, die Vorstellungen der Gesellschaft, wie Trauer auszusehen hätte, die Probleme der Angehörigen beim Verlust eines Menschen und die damit oft genug verbundene Veränderung der gesamten bisherigen Lebensumstände, aber auch der notwendige Blick nach vorn – das alles wurde in der interessanten Publikation von Dr. Natascha N. Hoefer „Schwermut und Schönheit – Als die Menschen Trauer trugen” dargestellt, die im Auftrag des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur e.V. entstanden ist. Von dieser Publikation her leitet sich auch der Titel der Krefelder Ausstellung ab. Professor Dr. Brigitte Tietzel www.krefeld.de/textilmuseum
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