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Die erste deutschsprachige Kulturgeschichte der Trauerkleidung „Schwermut und Schönheit – Als die Menschen Trauer trugen” erinnert in Zeiten einer sich rasant verändernden Trauer- und Erinnerungskultur daran, welchen Raum die Trauer einmal eingenommen hat. Schwermut und Schönheit sind zwei Seiten einer Medaille. Zwischen klösterlicher Entsagung und erotischer Attraktivität hat sich über die Jahrhunderte – insbesondere im Bereich der Witwenkleidung – ein reiches Spektrum an Ausdrucksformen entfaltet, das von sackartigen, mönchsgleichen Verhüllungen bis zu extravaganten, modischen Trauerballkleidern reicht. Trauerkleidung und Trauerschmuck wurden nicht nur am Tag der Beisetzung, sondern lange darüber hinaus getragen. Etikettevorschriften und Trauerordnungen gaben vor, was von wem wie lange in Zeiten der Trauer getragen werden sollte. Volltrauer, Halbtrauer, Austrauer bezeichneten die Phasen der Trauer, die durch unterschiedliche Farben, Schnitte und Accessoires der Trauerkleidung zum Ausdruck gebracht wurden. Die Gefühle der Trauernden wurden unter schwarzen Schleiern und Stoffen aber nicht nur verborgen, sondern durch die Verhüllung zugleich öffentlich sichtbar. Höfische, bürgerliche und volkstümliche Trauerzeremonien brachten eine eigene Trauerkleidung hervor. Die Kulturgeschichte zeigt die Vielfalt der regionalen Besonderheiten ebenso wie die feinen Unterschiede, die den sozialen Stand, die religiöse Zugehörigkeit oder auch das Geschlecht der Trauernden symbolisierten. Der Ausdruck der Trauer hatte über Jahrhunderte eine repräsentative, öffentliche Statusfunktion, die zunehmend von einer privaten, intimen Funktion abgelöst wurde, bis sie schließlich im 21. Jahrhundert fast vollständig verloren gegangen ist. Dr. Kerstin Gernig
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